Die Herbergssuche

Als Herbergssuche wird in der christlichen Tradition die vergebliche Suche von Josef und Maria nach einer Unterkunft vor der Geburt von Jesus bezeichnet. In der Adventzeit sind szenische Aufführungen der „Herbergssuche“ und das Singen von Herbergsliedern Bräuche, die bis heute gepflegt werden. Eine bei uns weniger häufig praktizierte Form der Herbergssuche ist ein aus dem 16. Jahrhundert überlieferter Brauch, der vor allem von den Jesuiten verbreitet wurde. Die Gläubigen sollten die Heilige Familie – im wörtlichen Sinn – bei sich aufnehmen. Meist neun Abende vor dem Heiligen Abend wurde ein Marienbild, eine geschnitzte Heilige Familie oder eine Marienstatue von der Kirche zu einer Familie gebracht, die ihr für einen Abend „Asyl“ gewährte. Damit wurde symbolisiert, dass die Menschen – anders als damals in Bethlehem – bereit waren, Jesus Platz in ihren Häusern zu geben. In manchen Gegenden Österreichs ist dieses Ritual noch oder wieder sehr lebendig. Besonders in Salzburg, Tirol und in der Steiermark wird die Tradition der Herbergssuche – manchrorts auch als
Frauentragen bekannt – gepflegt, aber auch im Osten Österreichs erfährt dieser Brauch langsam eine Wiederbelebung. Oft laden Pfarren ihre Gemeindemitglieder ein, sich während der Adventzeit an dieser Volksliturgie zu beteiligen. Aber auch als private Initiative können Familien und Freunde diese Tradition wieder aufleben lassen – man muss nur bereit sein, an zwei Abenden ein wenig Zeit zu schenken: Am ersten Tag wird eine Krippe oder Marienstatue zu einer Familie gebracht, die diese für einen Abend bei sich aufnimmt und am nächsten Tag einem anderen Gemeindemitglied oder einer befreundeten Familie zur Herberge anvertraut. Bei der Übergabe von einer Familie zur anderen wird eine kleine Feier gestaltet, bei der gemeinsam gesungen, gebetet oder ein besinnlicher Text gelesen wird. Dieses gemeinsame Feiern im Kreis von Freunden und Familie hilft in der sonst so hektischen Zeit, etwas Ruhe und Besinnung zu finden, ermöglicht Begegnungen
mit Menschen und trägt ein bisschen dazu bei, die Adventzeit intensiver zu erleben und sich auf das Wesentliche, die Ankunft des Herrn vorzubereiten